Brahms - Schönberg

Auf einen Höhepunkt des Bad Sodener Musiklebens darf sich das Publikum für den

 

20. Oktober 2019 um 19:00 Uhr

in St. Katharina

 

einstellen. Dann werden der Main-Taunus-Kammerchor und der mehrfach ausgezeichnete Ars Antiqua-Chor aus Aschaffenburg Arnold Schönbergs Komposition „Ein Überlebender aus Warschau“ und das „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms zu Gehör bringen. Unterstützt werden sie dabei von Sängern aus dem schottischen Perth. Das Konzert ist Teil des Programms der Bad Sodener Mendelssohn-Tage der Musik.

Schönbergs berühmtes, achtminütiges Stück für Männerchor und Sprechstimme folgt dem Prinzip der von Schönberg erfundenen Zwölftonmusik und ist unter dem Eindruck des Aufstands im Warschauer Ghetto 1943 entstanden. Das Werk beschreibt die Niederschlagung des Aufstands im Warschauer Ghetto durch deutsche SS-Truppen und hat seinen Höhepunkt in der Reaktion der überlebenden Unterdrückten, die im eindringlichen Fortissimo das jüdische Glaubensbekenntnis „Schma Jisrael“ dem Grauen entgegensetzen.

 

Mit der Entscheidung, dieses kompromisslose Werk an den Anfang des Programms zu stellen, gewinnt das im Anschluss dargebotene „Deutsche Requiem“ an existenzieller Tiefe und Eindringlichkeit – eine Chance, das bekannte Werk neu und vielleicht anders zu hören. Für Brahms´ Zeitgenossen war es im Wortsinneunerhört, ein Requiem in deutscher Sprache zu verfassen und damit den liturgischen Charakter der Form zu verlassen. Statt des traditionellen lateinischen Textes verarbeitete der Komponist eine eigene Zusammenstellung von Bibelstellen in deutscher Übersetzung. Damit änderte sich auch die Bedeutung des Requiems: Nicht mehr um Fürbitte für die Toten geht es dieser Musik, sondern um Trost für die Lebenden. Für den heutigen Zuhörer erklingt eine musikalische Meditation über den Tod, ein Angebot, sich mit den „letzten Dingen“ zu befassen und sich von der tröstlichen Botschaft, die Brahms meisterhaft in Töne übersetzt hat, anrühren zu lassen. „Die Musik zielt auf jene Hilfe ab, die Bibelverse Trauernden bieten können“, betont der musikalische Leiter des Projekts, Stefan Claas, der zugleich Chorleiter des Main-Taunus-Kammerchors und von Ars Antiqua ist.

 

Die Kombination von Schönbergs „Ein Überlebender aus Warschau“ mit dem „Deutschen Requiem“ von Brahms sei ungewöhnlich, sehr anspruchsvoll und bislang nur von großen Häusern geleistet worden, führt Claas weiter aus. Um das alles künstlerisch gut umzusetzen, hat er sich hervorragender Solisten versichert. Chöre und Solisten dieser aufwändigen Produktionen werden begleitet vom Aschaffenburger Orchester „Collegium musicum“.

 

Das Konzert beginnt am 20. Oktober um 19 Uhr. Karten im Vorverkauf sind bei der Buchhandlung Riege in Bad Soden erhältlich. Das Konzertprogramm kommt einen Tag zuvor, am 19. Oktober, 19 Uhr, auch in der Kirche St. Gertrud, Frühlingstraße, Aschaffenburg-Schweinheim, zur Aufführung.