Grußwort zum 29.05.2021

 

Liebe Gemeindemitglieder,

 

es scheint wirklich so zu sein: In der Corona Pandemie gibt es Licht am Horizont! Die Zahlen der Neuinfizierten und der Schwerkranken sinken, es gibt immer mehr vollständig Geimpfte. Nun werden auch vorsichtige Lockerungsschritte geplant, in der Gastronomie, beim Einkaufen, in der Schule und wahrscheinlich auch für den Sommerurlaub.

 

Bisher war es nicht leicht, für keinen von uns. Manche mussten liebe Angehörige hergeben, andere leiden bis heute unter den Folgen der Infektion, für Kinder und Jugendliche war seit Monaten kein normales Leben in der Schule und mit Freunden möglich. Und die monatelange Distanz zu unseren Mitmenschen hat bei allen Spuren in der Seele hinterlassen.

 

Wie es mit den Gottesdiensten und mit dem Gemeindeleben weitergeht, wie lange hier noch die Beschränkungen gelten, wissen wir noch nicht.

 

Aber ich denke, das ist auch der Moment, innezuhalten und zu fragen: Können wir einfach wieder so leben wie vorher?

 

Ich denke, diese Pandemie hat viele Fragestellungen aufgeworfen, in der Gesellschaft und auch in der Kirche.

 

Das empfindet sicher jede und jeder anders. Aber ich finde, wir müssen uns diesen Fragen stellen. Hier nur einige wenige Beispiele.

 

Was bedeutet Demokratie und Meinungsfreiheit?

 

Wie können wir in unserer Gesellschaft solidarisch leben? Aber auch die Frage: welche Rolle spielen die christlichen Kirchen in der Gesellschaft?

 

Eine Frage, die sicher auch viele Menschen in dieser Zeit bewegt hat, ist die Frage nach Gott. Da sind Zweifel erlaubt: Warum ist so etwas in unserer Welt möglich? Aber auch die Frage, hat mir der Glaube, hat das Vertrauen zu Gott mir in dieser Zeit geholfen, hat er mich getragen oder habe ich mich verlassen gefühlt?

 

Am Sonntag, den 30. Mai steht in diesem Jahr das Fest der Heiligen Dreifaltigkeit im Kalender. Die Kurzformel des Glaubensbekenntnisses: Ich glaube an Gott, den Vater, den Sohn und den heiligen Geist“ ist ja ein stammelnder Versuch von uns Menschen, etwas über Gott zu sagen.

 

Der christliche Glaube gründet in den Erfahrungen, die die Menschen vor über 2000 Jahren mit Jesus von Nazareth gemacht haben. Er war fest im Glauben des Volkes Israel an den einen Gott verwurzelt (im Unterschied zu den umgebenden Kulturen, in denen viele Götter verehrt wurden).

 

Zwei Aussprüche Jesu fallen mir ein, was er über Gott gesagt hat: „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10,30) und: „Ich werde den Vater bitten und er wird euch einen Beistand senden ,…. den Geist der Wahrheit (Joh 14,16.17).

 

Diese Worte Jesu sagen mir: Gott ist nicht eine statische, festgelegte Größe, ein Monolith, der einfach nur viel größer ist als alles, was wir uns vorstellen können.

 

Gott – das ist Bewegung, Dynamik, Veränderung. Und diese Bewegung ist Liebe, die die Schöpfung - und damit auch uns Menschen - durch die Zeit begleitet, bis sie in Gott endet.

 

Ich lade Sie ein sich zu diesem Fest des dreifaltigen Gottes wieder neu Gedanken zu machen: Was bedeutet mir dieser Glaube für mein Leben, für unser Zusammenleben, für unsere Gemeinde – gerade in den Zeiten der Pandemie?

 

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen

 

Bettina Pawlik

Gemeindereferentin