Grußwort zum 10.11.2018

Liebe Gemeinden,

 

vor ein paar Jahren begleitete ich einen Glaubensweg im November unter dem Titel: Alle heilig? Alle heilig! Wir schauten uns das Leben von vier Männern und Frauen an, die im letzten Jahrhundert gelebt haben und versuchten durch Gebete und Texte dieser besonderen Menschen und einer Schriftlesung aus der Bibel diesen Heiligen auf die Spur zu kommen. Und es fiel uns nicht schwer, diese als Heilige zu benennen, auch wenn sie damals noch keine Heiligen waren oder es auch heute nicht sind (wir betrachteten das Leben von Alfred Delp, Frere Roger, Oscar Romero und Madeleine Delbrel). Und so wird es uns auch in den kommenden Tagen gehen: natürlich ist Martin ein Heiliger, denn er war so mutig, sein bisheriges Leben hinter sich zu lassen und Christus nachzufolgen. Wenige Tage später feiern wir den Gedenktag der heiligen Elisabeth. Auch sie eine Frau, die sich vor Jahrhunderten so auf Christus einließ, dass sie alles verschenkte, was sie besaß, ihre Königswürde aufgab und arm lebte, um sich um arme Menschen zu kümmern. Logisch, dass diese Menschen heilig waren und sind!

 

Aber wir? Paulus schreibt im Brief an die Kolosser, dass wir von Gott geliebt sind, dass wir seine „auserwählten Heiligen“ sind. Wir? Nein. Das geht doch nicht. Wäre vermessen, so von sich zu reden und die Folgen wären unabsehbar. Wenn ich noch einmal auf diese besonderen Menschen, die wir Heilige nennen, schaue, dann fällt mir zu allererst ihr Mut auf: ihr Mut, sich zu öffnen für Gottes Wort, es zu hören und es sich zu Herzen zu nehmen. Sie trauen sich anders zu leben, als alle erwarten.

 

Können wir das und können wir uns Heilige nennen? Christian Feldmann, ein Theologe, der viele Heiligenbiographien geschrieben hat, sagt, „Heilig heißt im

kirchlichen Sprachgebrauch jeder Mensch, der nach einem geglückten – trotz

aller Brüche, Enttäuschungen und Niederlagen geglückten – Leben bei Gott

angelangt ist.“ Heilig zu sein ist eben keine Leistung, die wir erbringen müssen, sondern es ist ein Geschenk Gottes an uns. Er gibt uns die Zusage, dass wir nicht tiefer fallen können, als in seine Hände. Und können wir mit dieser Zusage nicht auch mal mutig sein und etwas wagen? Vielleicht haben Sie in der nächsten Woche Zeit, in der Bibel bei Kol 3,7-17 nachzulesen, was es bedeutet, ein Heiliger, eine Heilige hier auf Erden zu sein.

 

Angelika Olbrich,

Gemeindereferentin