Grußwort zum 20.11.2021

 

Herbst-Blues oder Aufbruch?

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Im Sommer verbringe ich mit meiner Familie viel Zeit im Freien. Nun sind die Gartenmöbel unter einer Plane eingepackt und draußen herrscht wieder das für das Rhein-Main-Gebiet typische Wintergrau am Himmel vor. Ein wenig trauern wir dem Sommer nach, den langen Abenden im Freien, dem Indian Summer, den es auch in Deutschland gibt. Der Herbstblues ist nicht ganz von der Hand zu weisen.

 

Zum grauen Wetter passend scheinen auch die drei Tage im Monat November, an denen in Deutschland den Toten gedacht wird: Allerseelen, Volkstrauertag und Totensonntag. Aber halt: Die letzten beiden sind keine katholischen Gedenktage und überhaupt: Am Totensonntag (Sonntag vor dem 1. Advent) feiert die katholische Kirche regelmäßig das Hochfest Christkönig.

 

In Eschborn ist es selbstverständlich als Patronatsfest ein Tag der Freude. Warum es auch für die Christen in den anderen Gemeinden ein Tag zur Freude sein sollte, das möchte ich Ihnen in diesem Vorwort aufzeigen.

 

Das Fest erinnert die Christen daran, dass es eine Instanz über den Menschen gibt, dass keinem Menschen die Allmacht zusteht und dass es dort, wo Menschen ihre eigenen Herrschaftsansprüche stellen, keine Erlösung gibt. Vielmehr ist diese dort zu suchen, wo Jesus herrscht, der über den Königen der Erde steht (vgl. Off 1, 5b).

 

Sein „Königtum ist nicht von dieser Welt“ (Joh 18,36) sagt er gegenüber Pilatus, der ihm deutlich machen will, dass er die Macht hat ihn zu töten und damit das Königtum Christi in Frage stellt.

 

Für mich ist Christkönig ein Sinnbild für den Aufbruch der Kirche, der dieser Tage auch in Frankfurt bei den Zwischenergebnissen des Synodalen Weges sichtbar wurde. Es geht um einen anderen Umgang mit irdischer Macht – mit Macht in der Leitung der Kirche.

 

Macht soll in der Kirche auf mehr Schultern verteilt werden. Dass ist dringend notwendig, denn dort, wo Macht unhinterfragt in den Händen weniger liegt, kommt es immer wieder zu Missbrauch: zum körperlichen Missbrauch von Kindern und anderen wehrlosen Menschen, und zum geistlichen Missbrauch und Formen des Mobbings oder der Herrschsucht.

 

Als Kaufmann weiß ich, dass solches Führungsverhalten nicht nur einzelnen Betroffenen schadet, sondern auch der zu leitenden Organisation. Es führt regelmäßig zu qualitativ schlechteren Entscheidungen als die Entscheidungsfindung im Team.

 

Deshalb ist es so wichtig, dass in der Kirche nicht die menschliche, persönliche Herrschaft in den Mittelpunkt gestellt wird, sondern dass jeder die eigenen Ansprüche zurückstellt, damit das Königtum Christi wirksam und erfahrbar wird, damit derjenige, der sich neu für das Christentum entscheidet, wirklich sagen kann, „bei Euch ist es anders“ (vgl. Mk 10,43)!

 

Dazu gehört für mich der Aufbruch in unserem Pastoralen Raum auf dem Weg zur Pfarrei neuen Typs.

 

Im Mittelpunkt sollte dabei nicht stehen, wer weshalb am wichtigsten ist. Vielmehr sollte es darum gehen, wie die Frohe Botschaft, das Königtum Christi am besten zur Geltung kommt. Den Prozess in den verschiedenen Projektgruppen, der im Sommer begonnen hat, erlebe ich als konstruktiven Aufbruch, der versucht, gemeinsam, nicht einzeln, zu Entscheidungen zu kommen, welche die Gemeinschaft unserer Gemeinden für die Zukunft stärkt.

 

Wer trotz des grauen Wetters auch im November öfter mal rausgeht, der wird bei einzelnen Pflanzen erkennen, dass diese sich bereits auf die nächste Blüte vorbereiten.

 

Christkönig als letzter Tag im Kirchenjahr und Schwelle zum Advent macht es ebenfalls deutlich: Der November ist eine Zeit des Aufbruchs!

 

Für diesen und für die Zeit des Advents wünsche ich Ihnen Gottes Segen!

 

Diakon Frank Bode