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Grußwort zum 15.09.2018

Mit Jesus Glauben leben

 

So heißt der neue Glaubenskurs, an dem Familien teil-nehmen können, die sich zusammen mit ihrem Kind/ihren Kindern auf den Weg machen wollen, Jesus, unseren Glauben und die Kirche kennenzulernen bzw. Wissen und Beziehung zu vertiefen. Wer möchte, kann am Ende des Kurses sein Kind, das die dritte Klasse besucht, in einem der sechs gemeinsamen Gottesdienste zur Erstkommunion führen. 

 

Offen ist der Glaubenskurs für alle Familien. Wer möchte kann auch einfach nur an einzelnen Angeboten teilnehmen. Mit Blick auf die Erstkommunion ist die komplette Teilnahme erforderlich. Dabei kann jede Familie für sich entscheiden, ob sie diesen Weg lieber über die Teilnahme an verschieden Aktionen und Angeboten geht oder sich in Glaubensgesprächen zu Hause (oder in Familienkreisen) austauscht. Auf beiden Wegen geht es darum, den Glauben und das Leben als kirchliche Gemeinschaft stärker in den Mittelpunkt zu rücken und sich bewusst mit entsprechenden Themen auseinander zu setzen. 

 

Doch warum neu Wege gehen?

 

Kirche und Gesellschaft haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Vieles, was noch in den 70er/80er Jahren selbstverständlich war, ist es schon lange nicht mehr. In vielen Pfarreien haben sich die aus dieser Zeit stammenden Konzepte der Vorbereitung auf die Erstkommunion in kleinen Gruppen mit 1-2 Katechet/innen in verschiedenster Form gehalten. 

 

Doch viele Kollegen/innen machen die Erfahrung, dass diese der veränderten Situation und nur noch einem Teil der Familien gerecht werden.

 

Dazu kommt, dass in zunehmendem Maße die Vorbereitung auf den ersten Empfang des Sakramentes der Eucharistie, für viele Familien wieder neu einen engeren Kontakt zur Kirche und Pfarrei bedeutet. Einen intensiven Kontakt zu Kirche und Gemeinde leben die wenigsten Familien, die ihr Kind zur Erstkommunion führen möchten. Die Vertrautheit mit verschiedenen Formen des Glaubens, dem Gottesdienst und den Themen unserer Pfarreien und Gemeinden ist daher meist nicht vorhanden. Das macht es nötig, nicht nur allein die Kinder in den Blick zu nehmen. Die Vorbereitung auf den ersten Empfang des Sakramentes der Eucharistie muss daher Kinder und ihre Eltern einbeziehen. Vor allem muss sie auch den Wunsch und die daraus resultierende Verantwortung ernst nehmen, dass Eltern ihre Kinder im Glauben erziehen wollen, so wie sie es bei der Taufe versprochen haben. 

 

Frère Roger sagt: „Lebe das, was du vom Evangelium verstanden hast. Und wenn es noch so wenig ist. Aber lebe es.“ Und daraus resultierend, sprich über das, was du verstanden hast und gib es weiter. Dieser Austausch hilft uns allen, denen die fest im Glauben stehen genauso wie denen, die sich neu auf den Weg machen, immer mehr über das Evangelium zu erfahren, das eigene Verständnis zu reflektieren und im Glauben zu wachsen.

 

Auf diesem Weg dürfen wir auf Gott vertrauen, dass er uns diesen Weg leiten wird, dass sein Heiliger Geist in uns wirkt, wenn wir uns in seinem Namen versammeln, nicht nur im Gottesdienst. Und wir tun dies auch im Auftrag und Einverständnis der „Kirche“, die im zweiten Vatikanischen Konzil ausdrücklich bekennt, das jeder Christ, befähigt und beauftragt durch Taufe (und Firmung), dazu berufen ist, den Glauben in die Welt hinaus zu tragen und für seine Ausbreitung und die kirchliche Gemeinschaft vor Ort Mitverantwortung trägt. Denn Kirche, das sind nicht „die da oben“, nicht „die in Limburg“ und auch nicht nur die, die sich mit großem Engagement ehrenamtlich oder hauptamtlich in unseren Gemeinden einbringen. Kirche, das sind alle Getauften, Kirche zu sein und zu gestalten, das ist die Aufgabe aller Getauften. 

 

Dies gilt es stärker zu berücksichtigen, immer wieder zu benennen und nach Wegen zu suchen, die Menschen und Familien in unterschiedlichen Situationen und mit unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden. 

 

Auch das Thema Kirchenentwicklung „Mehr als du siehst“ führt uns immer wieder vor Augen, dass es an der Zeit ist genauer hin zu schauen und neue Wege zu gehen - auszuprobieren und fehlerfreundlich zu sein, sagt Bischof Bätzing. Dabei ist es nie leicht mit Veränderungen umzugehen und sich auf neue Erfahrungen einzulassen. Doch ich bin sicher auch in diesem Weg steckt mehr als man vielleicht auf den ersten Blick sieht. 

 

Viele Gespräche begleiten schon jetzt die Veränderung. Während die einen die Offenheit und Flexibilität begrüßen, wünschen sich andere lieber ein einheitliches Konzept. Hier und dort sind schon erste Rückmeldungen dazu da, welche weiteren Angebote und Aktionen eingebracht werden können. Aber auch die Trauer um die kleinen Gruppen, die viele aus ihrer eigenen Vorbereitungszeit in guter Erinnerung haben ist Thema. Ein Gutes steckt in all diesen Gesprächen - wir sind im Gespräch, tauschen uns über unsere verschiedenen Einstellungen und Ansichten aus und die Erkenntnis darüber, dass nicht mehr alles so weitergeht wie bisher, dringt tiefer in unser Bewusstsein ein. Wir müssen uns auf den Weg machen, wir müssen im Austausch darüber bleiben, wo und wie wir unseren Glauben leben und gestalten. Wir müssen Jesus als Quelle unseres Glaubens und als Ursprung unseres Tuns bekennen und immer wieder darauf hinweisen, dass Gemeinde vor Ort Menschen braucht, die mittun, damit Kirche vor Ort auf Dauer erhalten bleibt. 

 

Rund 145 Familien machen sich am heutigen Sonntag (16.9.) auf den Weg. Sie haben sich eingelassen auf die Veränderungen und werden ihre Erfahrungen mit den unterschiedlichen Wegen des Glaubenskurses machen. Auch darüber werden wir im Austausch bleiben. Bis dahin sind alle eingeladen sich bei der Gestaltung der Aktionen und Angebote einzubringen. Neben den Klassikern wie Krippen-spielen, Sternsinger und Lebendigen Adventskalender soll es weitere Angebote geben. So wird es in den Wochen vor und nach den Herbstferien Treffen in allen Orten geben, um mit den Familien und den Engagierten vor Ort weitere Aktionen zu planen und anzubieten. Die Frage, die uns dabei leiten wird, ist die Frage an alle teilnehmenden Familien, was brauchen oder wünschen sie sich um ihren Glauben leben zu können? Was können sie selber dazu beitragen und beisteuern und wo können wir als Gemeinden unterstützend und helfend zur Seite stehen. 

 

Ich bin gespannt und freue mich auf die vielen kleinen und großen Ideen, die wir gemeinsam bedenken und planen werden. 

 

Ihnen allen Gottes guten Segen

 

 

 

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